THP 57 260413 OnlineVersion s - Flipbook - Seite 52
Vecona Vintage,
www.vecona-vintage.com
MODE
Sepp Herberger 1958, Foto picture-alliance / dpa / Gutberlet
In den 1970er-Jahren erhielt der vielseitige Kapuzenpullover dann eine neue Au昀氀adung, insbesondere durch den
Film „Rocky“. Die Bilder von Sylvester Stallone beim morgendlichen Training in grauem Hoodie und Jogginghose
wurden zum ikonischen Ausdruck der US-amerikanischen
schönen Lüge vom Aufstieg aus dem Nichts. Auf einmal
stand der Kapuzenpullover für Entschlossenheit und Aufstiegskraft und wurde über Nacht zum Kleidungsstück des
Underdogs, der nicht aufgibt: Blanker Stoff als Symbol für
Willenskraft.
didas Track Jacket 90er,
wwwvintageschuppen.de
Parallel dazu entwickelte sich die Sportswear weiter. Der
Track Suit, in den 1960er- und 70er-Jahren als leichte, 昀氀exible Trainingsbekleidung konzipiert, fand schnell Anklang
in Jugend- und Subkulturen. Marken wie hummel prägten dabei das Design europäischer Teamwear; ikonische Silhouetten und Streifenmuster à la adidas setzten sportliche Codes,
die Modegeschichte schrieben. Spätestens seit den 90ern
waren Trainingsjacken in knalligen 70er-Jahre-Farben
im großstädtischen Coolness-Universum angekommen –
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und das nicht nur bei den musikalischen Vertretern der
Hamburger Schule, in der Bands wie Tocotronic den Look
der Bundesjugendspiele zum Indie-Stilelement machten.
Vecona Vintage aus Wiesbaden geht sogar noch weiter zurück: Ihr Modell „WORK-OUT“ ist von der Sportkleidung der
30er Jahre inspiriert und besteht aus einem Sweatshirt mit
kurzem Reißverschluss und Stehkragen und einer Hose, die
man damals wohl „Turnhose“ genannt hätte.
Bei aller Retro-Glückseligkeit: The times they are a-changing! In den 1980er- und 90er-Jahren übernahm die HipHop-Kultur die Sportswear und veränderte sie erneut. Bewegungsfreiheit war dafür entscheidend. Breakdance und
Street-Performance verlangten nach Kleidung, die akrobatische Moves zuließ, robust war und dennoch Ausdruckskraft besaß. Genau deshalb eignete sich Sportswear perfekt
als modische Sprache der Community. Sie war 昀氀exibel, erschwinglich und transportierte Zugehörigkeit über Logos
und Farben. Und wie das immer so ist: Von der Streetwear
auf den Laufsteg ist es heute nicht mehr weit. Deshalb haben Jogginghose und Co. auch die Haute Couture erobert.
Sportswear ist im Zeichen der neo-liberalen Selbstoptimierung befreit vom Makel der proletarischen Herkunft und
macht längst auch auf dem Designer-Sofa eine gute Figur.