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MODE
VON DER TURNHALLE AUF DIE COUCH
Sportswear ist längst mehr als funktionale Kleidung für Training und Wettkampf.
Spätestens seit das Corona-Virus die Welt lahmlegte, hat sie als
Lounge-Wear den Geruch von Schweiß und Umkleidekabine abgelegt.
Heute ist sie ein etablierter Teil des urbanen Lebensstils.
Text • Carsten Sobek – Foto • Son of a Stag
Son of a Stag
Hauptsache bequem! Mit dem Aufkommen des Breitensports im 19. Jahrhundert änderte sich auch die Kleidung,
die bei körperlicher Bewegung zum Zwecke der Leibesertüchtigung – im Gegensatz zur körperlichen Arbeit – getragen wurde. War Sport zunächst ein Privileg des Adels,
ein amüsanter Zeitvertreib, der die ritterlichen Auseinandersetzungen vergangener Zeiten simulieren sollte und
deshalb auch einem starren Dresscode unterworfen war,
wurde er mit dem zunehmenden Selbstbewusstsein der
Arbeiterklasse zum Massenphänomen. Allerdings hatten
Stahlarbeiter und Handwerksgesellen gar kein Geld für
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teure Cricket-Pullover oder schicke Tennis-Jacketts. Sie traten daher in Straßenkleidung gegen Fußbälle oder maßen
sich in enganliegenden Trikots im Gewichtheben. Von da
war es dann nicht mehr weit zu den ersten reinen Sport-Artikeln: Bequeme Schnitte und hautfreundliche Stoffe hatten
ihren Auftritt.
Das Sweatshirt entstand im frühen 20. Jahrhundert als weiche, atmungsaktive Alternative zu kratzigen Wollpullovern
im American Football. Aus robusten Baumwollstoffen bestehend, wurde der bequeme Pullover in den sportbeses-